Gitarre stimmen leicht gemacht - Der session-Ratgeber für Einsteiger

Eine Alte Dame Geht Heute Einkaufen

Um saubere Töne, schöne Melodien oder auch mehrstimmige Akkorde mit seiner Gitarre zu spielen, müssen die einzelnen Saiten auf ihre jeweilige Tonhöhe eingestellt sein. Die Standard-Stimmung jeder Gitarre beläuft sich auf die Töne:

E – A – D – G – H – E

Um sich die Stimmung der Gitarre besser zu merken, haben sich über die Zeit mehrere Eselsbrücken eingebürgert. Die bekannteste unter ihnen lautet: Eine Alte Dame Geht Heute Einkaufen.

Man sollte noch wissen, dass die einzelnen Gitarrensaiten unterschiedliche Stärken besitzen. Die oberste Saite der Gitarre ist dabei die Dickste und klingt am tiefsten. Die anderen Saiten werden nach unten hin immer dünner und ihre Tonlage entsprechend höher.

Da bekanntlich „viele Wege nach Rom führen“ gibt es auch beim Gitarren stimmen verschiedene Methoden, sich der richtigen Stimmung zu nähern.

Wie stimme ich meine Gitarre?


Gitarre stimmen mit der 5. Bund-Methode

Geübte Gitarristen stimmen ihre Gitarre über ihr Gehör und der sogenannten 5. Bund-Methode. Bei der 5. Bund-Methode wird die Tonhöhe der Saiten miteinander verglichen. Dabei werden die zu vergleichenden Saiten so gegriffen, dass beim Anspielen der gleiche Ton erklingt. Die Abstände der Töne sind dabei eine Quarte voneinander entfernt. Man greift und spielt also auf der oberen E-Saite den 5. Bund, gleicht den Ton mit der darunterliegenden A-Saite ab und stimmt diese durch das Drehen an den Mechaniken. Dieses Beispiel führt man mit den anderen Saiten fort. Lediglich bei den Saiten G und H wird anstatt des 5. Bunds, der 4. Bund gegriffen. Der Tonabstand liegt hier eine große Terz auseinander. Diese Methode Bedarf etwas Übung und ein musikalisches Gehör, geht aber relativ schnell und ohne Hilfsmittel von der Hand. Das einzige Problem dabei ist, dass die Gitarre zwar in sich stimmig erscheint aber evtl. mit anderen Instrumenten disharmonisch zusammen klingt.

Gitarre stimmen mit Stimmgabel oder Stimmpfeife

Eine ähnliche Herangehensweise ist die zur Hilfenahme einer Stimmgabel oder einer Stimmpfeife. Dabei wird mit der Stimmgabel oder der Stimmpfeife ein kurzer Ton angegeben, nach dem man die Saite der Gitarre stimmt. Wählt man die Stimmgabel muss man vor dem anschlagen an der Tischkante überprüfen, welche Tonhöhe die Stimmgabel wiedergibt. Die Tonhöhe ist bei den meisten Modellen wie z.B. der König & Meyer 168 Stimmgabel eingraviert. In den meisten Fällen erklingt standardmäßig der Kammerton A mit der Frequenz 440 Hertz. Nach diesem Ton wird dann die Gitarrensaite A gestimmt, bevor es dann mit der bereits beschriebenen 5. Bund-Methode weitergeht. Die Stimmpfeife hingegen bildet durch hineinblasen die unterschiedlichen 6 Töne der Gitarre ab. Für jede Saite der Gitarre gibt es einen eigenen Ton. Durch unterschiedlich starkes hinein blasen, kann es allerdings auch bei dieser Methode zu Disharmonie kommen. Bei diesen beiden Herangehensweisen bedarf es ähnlich wie bei der 5. Bund-Methode etwas Übung und ein musikalisches Gehör.

Keine Kompromisse: Bring deine Stimmung auf den Punkt!


Gitarre stimmen mit einem Stimmgerät

Um das Thema Gitarre stimmen auf den Punkt zu bringen, verwenden die meisten Gitarristen ein Stimmgerät. Diese kleinen Helfer sind selbst für Anfänger sehr einfach und schnell zu bedienen. Man unterscheidet dabei zwischen Clip-Tunern, den klassischen Stimmgeräten mit eingebautem Mikrofon und Klinkenstecker oder den robusten Stimmgeräten im Bodentreter-Format.


Clip-Tuner:

Die Clip-Tuner werden - wie es der Name bereits vermuten lässt - an die Kopfplatte der Gitarre „geclipt“ und zeigen anhand der Schwingungen der Saiten die entsprechende Tonhöhe an. Die meisten Tuner dieser Art sind chromatisch und eignen sich für alle Saiteninstrumente. Nur noch selten sind Stimmgeräte auf die Standard-Stimmung der Gitarre begrenzt. Die Clip-Tuner gibt es in unterschiedlichen Ausführungen von allen gängigen Herstellern. Hauptunterschiede lassen sich neben der Aufmachung des Tuners vor allem an den unterschiedlichen Displaytypen erkennen. Die 3 häufigsten Displayvarianten sind die Digital-, LED Lauflicht- und die Strobo-Anzeige. Aufgrund ihrer kompakten Größe finden Clip-Tuner wie der Klang SCT-1 Clip Tuner, der Peterson SC-1 Strobo Clip HD Tuner oder der Danelectro Snark SN-1X Guitar Tuner selbst in dem vollsten GigBag noch ein freies Plätzchen. Und falls das GigBag bereits verladen ist, kann man sich den Clip-Tuner auch in die Hosentasche stecken. Für den Fall, dass man seine Stimmung stets im Blick behalten möchte, lässt man seinen Clip-Tuner einfach an der Kopfplatte. Im folgenden Video demonstrieren wir euch die Benutzung eines Clip-Tuners:



Klassische Stimmgeräte:

Die klassischen Stimmgeräte sind in der Regel mit Klinkenein- und -ausgang sowie einem eingebauten Mikrofon ausgestattet. Stimmgeräte wie der Korg GA-50 Tuner fallen in diese Kategorie und eignen sich sowohl für das Stimmen von akustischen und elektrischen Gitarren. Für das Stimmen einer Akustikgitarre platziert man das Stimmgerät mit dem eigebauten Mikrofon einfach vor dem Schallloch. Nebengeräusche von Mitmusikern, die sich im gleichen Raum befinden, könnten das Stimmen allerdings erschweren. Praktischer sind da die Akustikgitarren, die bereits einen eingebauten Pickup inklusive Tuner besitzen. Diese stöpselt man wie bei elektrischen Gitarren oder Bässen mit dem Klinkenkabel in die dafür vorhergesehene Input-Buchse des klassischen Stimmgeräts. Im Anschluss wird in beiden Fällen so lange an den Mechaniken gedreht, bis der Ton stimmt. Dies wird in der Regel optisch über das Digital-Display, sowie über ein grün leuchtendes Lämpchen signalisiert. Klassische Stimmgeräte eignen sich aufgrund ihrer kompakten Größe ebenfalls hervorragend für unterwegs.


Stimmgeräte im Bodentreter-Format:

Die Stimmgeräte im Bodentreter-Format sind für das Stimmen von elektrischen Gitarren oder Bässen ausgelegt. Akustische Gitarren mit einem eingebauten Pickup-System sind davon natürlich nicht ausgeschlossen. Um einen Boden-Stimmgerät zu nutzen stöpselt man einfach das eine Ende des Kabels in die Klinkenbuchse seiner Gitarre und das andere Ende in den Boden-Tuner. Sobald man den Schalter auf seinem Bodentreter mit dem Fuß aktiviert, wird praktischer Weise der Signalweg stummgeschaltet, so dass man in Ruhe seine Gitarre stimmen kann. Tritt man den Schalter erneut, kann es mit dem Gitarrenspiel weitergehen. Natürlich lässt sich das Gitarrensignal auch durch weitere Effekte auf dem Pedalboard oder den Gitarrenverstärker durchschleifen. Boden-Tuner wie der Kong Mister-Right, der Mooer Baby Tuner oder auch der Boss TU-3 sind sehr robuste, kleine Kisten und eignen sich hervorragend für die Montage auf einem Pedalboard und aufgrund ihrer Metallgehäuse und den großen beleuchteten Displays auch für den anspruchsvollen und manchmal harten Bühneneinsatz.

Internetseiten und Apps für das Gitarre stimmen:

Der Fortschritt und die moderne Technik der heutigen Zeit macht auch vor dem Thema Gitarre stimmen nicht halt. Im Internet findet man Homepages, die sich mit dem Thema Guitar-Tuning beschäftigen und einem nach dem Prinzip der Stimmpfeife Töne ausgeben. Nach diesen Tönen kann man dann wiederum seine Gitarre in das richtige Tuning bringen. Fleißige App-Entwickler gehen sogar noch einen Schritt weiter und bieten einem diese Funktion auch zum Mitnehmen an. To go, sozusagen. Der Vorteil dieser Tuning-Apps ist die ständige Verfügbarkeit. Denn das Smartphone hat man ja bekanntlich immer in der Hosentasche und kann so, selbst im Falle, dass man sein Stimmgerät zuhause vergessen hat, seine Gitarre in Stimmung bringen. Leider sind diese beiden Entwicklungen nicht sehr genau. Die Töne die aus den eingebauten Computer-, Laptop- oder Smartphone-Lautsprechern ausgegeben werden, können anders klingen als normal, was wiederum zu einer Disharmonie im Vergleich mit anderen Instrumenten führen kann. Eine Kabelverbindung zwischen der Gitarre und dem Stimmgerät ist da einfach genauer und auch die Nebengeräusche werden minimiert.


Am Ende liegt die Stimmung in eurer Hand

Mit welcher Methode ihr letztendlich eure Gitarre in Stimmung bringt, bleibt euch überlassen. Wichtig ist nur, dass ihr das Tuning der Gitarre vor jedem Spielen einfach selbst in die Hand nehmt und am Ende sagen könnt:

... „Stimmt so!“


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