Band-Portrait: Corpus Deluxe

corpus_deluxe_pressefoto_1

Liebe Blogleser,

Corpus Deluxe sind wahre Luxuskörper, die sich virtuos zwischen Jazz, Soul und Pop schlängeln. Das Unplugged-Trio um Bassist Roland Ruck ist absolut ein Geheimtipp - nicht nur in unserer Region.

Roland, was macht Corpus Deluxe so einmalig?

Roland Ruck: Es ist der musikalische Hintergrund, der alle drei Bandmitglieder voneinander unterscheidet. Caro zum Beispiel hat ein klassisches Studium hinter sich und ist eine tolle klassische Sängerin, die Gefühle auf  eine sehr subtile musikalische Art transportieren kann. Sie hat eine unglaubliche Kontrolle über ihre Stimme und dadurch auch eine Wahnsinns Power! Sie kommt ursprünglich aber aus dem Pop und Rock, und kann so zwei Welten zusammen bringen. Stefan hingegen ist im modernen Jazz verhaftet, wobei er seine Rockroots nicht verleugnen kann. Fantastisch und sehr inspirierend improvisiert er immer wieder aufs Neue. Und ich selber bin jemand, der zwar ein Jazzstudium hinter sich hat und lange Jahre (und immer noch) kommerzielle Musik macht(e), dessen Herz aber eigentlich dem Blues und Funk gehört - jene Musik also, die sehr erdig und groovebetont ist. Und zusammen präsentieren wir die Musik, mit der wir jeweils groß geworden sind, geben ihr aber einen ganz eigenen Stil mit vielen ungewöhnlichen Facetten.

Seit wann gibt es dieses Trio und wie kam es zur Zusammenarbeit?

Roland Ruck: Corpus Deluxe war ursprünglich ein Duo. Stefan Kowollik, der Gitarrist von Corpus, und ich spielen schon seit 1998 in einer Formation namens Two For You zusammen. Wir haben die ganze Zeit schon immer versucht, nicht nur herkömmlichen Jazz über Jazzstandards zu interpretieren. Viel mehr interessierte es uns, Songs aus anderen Bereichen - sei es Rock oder sogar Schlager - zu nehmen und ihnen einen jazzigen Sound in einem improvisatorischen Kontext zu geben. 2007 lernte ich über Gesangsunterricht Carolin Stiehl kennen. Wir spielten ein Lehrerkonzert zusammen, Massoud Daryaband war der Gitarrist, für den ich auch gerade eine CD eingespielt habe. Wir hatten so viel Spaß, dass Caro und ich anfingen, bei mir zuhause im Studio eigene Songs aufzunehmen. Irgendwann reifte die Idee, dass wir Stefan für eine neue Band hinzunehmen. Wir drei mögen uns, was für mich in der Musik das Wichtigste ist. Daher harmonieren wir musikalisch auch hervorragend.

Was ist typisch für Deine Arrangements? Werden sie notiert oder meist improvisiert?

Roland Ruck: Also notiert wird bei mir erst 'mal gar nichts, denn Musik funktioniert ohne Noten besser. Viele Arrangementideen entstehen, wenn ich die Songs zuhause vorproduziere, wobei ich alles immer akustisch einspiele und dabei auf Synth und vor allem auf Quantisierung verzichte. Frei nach dem Motto: Lieber ein paar Fehler mehr und dafür ein Maximum an Lebendigkeit. Und viele Sachen entwickeln sich dann, weil meine potenten Mitstreiter was Tolles daraus zaubern. Vieles, vieles ist improvisiert - das ist ganz klar. Improvisieren ist für mich das Herz der Musik und eine besondere Stärke von Corpus Deluxe. Es muss ja nicht immer gleich ein Solo sein. Man kann auch den dynamischen Verlauf eines Stückes variieren und es so lebendig halten. Wenn ein Song dann auf einmal diesen gewissen Kick erhält und drei Menschen durch die Magie der Musik verschmelzen und dies dann auch noch ans Publikum vermittelt wird - das ist schon das Höchste.

Welche Stücke performst Du am liebsten - und warum?

Roland Ruck: Lieblingsstücke habe ich in dem Sinne nicht. Wir versuchen bei der Songauswahl schon dafür zu sorgen, dass es nur Lieblingsstücke sind! Ein toller Song ist zum Beispiel "Syrup and Honey" von Duffy. Dieser Blues gibt einem viel Freiraum und Stefan und ich können uns austoben. Und das Gefühl, dass Caro da rein legt, gibt mir eine Gänsehaut. "Chain of fools" geht unheimlich nach vorne und ich kann auch 'mal Schlagzeug spielen....;-) Das Original von Aretha Franklin ist atemberaubend, aber auch die Art und Weise, wie Caro das performt ist der Hammer. Eine weitere Nummer ist "Sir Duke" von Stevie Wonder. Neben James Brown zählt er zu meinen großen Vorbildern. Stevie ist sehr authentisch in seiner Musik und er grooooovt. Und das, was wir letztendlich daraus machen, ist eine gute Mischung aus Groove, Gefühl und Virtuosität. Ausserdem liebe ich es, auch mal zu streichen...

Markant sind die rhythmisch-perkussive Elemente Deines Bassspiels - wie hat sich Deine Spieltechnik entwickelt?

Roland Ruck: Eigentlich komme ich vom E-Bass. Während meines Studiums in Rotterdam musste ich Kontrabass lernen und letztendlich wurde dieser mein Hauptinstrument. Der akustische Bass hat einen sehr viel perkussiveren Ton als ein E-Bass und kann die Funktion eines Drummers übernehmen. So gewinnt man als Bassist mehr Freiraum und etwas mehr Verantwortung in Sachen Groove und Tempo. Anfang der neunziger Jahre hatte ich ein Duo mit der holländischen Sängerin Helène Verbraak, "Double Fun". Wir tourten in Holland und Deutschland und machten viel Straßenmusik. Irgendwann baute ich eine Kiste, auf die ich beim Spielen draufstieg und zu meinem Spiel mit trampelte. Vermutlich fehlte mir das Schlagzeug dann doch. Über die Jahre spielte ich in vielen sehr kleinen Besetzungen, immer ohne Schlagzeug. Und das rhythmische Konzept entwickelte sich weiter mit den Backbeatslaps. Mit Corpus Deluxe wird es zum tragenden Element und diese Herausforderung macht viel Spaß!

Neben dem Bassspiel arbeitest Du mit einer eigenen technischen Konstruktion namens "Stompshoe" - was ist das?

Roland Ruck: Den StompShoe habe ich eigentlich für mich selbst entwickelt, weil ich mehr Freiheit auf der Bühne wollte als mit gewöhnlichen Stompboxen. Es ist ein Piezo-Pickup, den man im Schuh tragen kann. Man tippt mit dem Fußballen oder der Ferse und erzeugt so einen Bassdrum ähnlichen Sound. Ich merkte, wie gut mein System funktioniert und klingt. Und weil ich schon seit Jahren Piezo-Pickups für Kontrabässe baue und verkaufe, lag es nah, auch den StompShoe ins Programm zu nehmen. Stompboxen sind bei Akustikgitarristen und Cajonspielern sehr populär.

Mit welcher Technik arbeitetet ihr auf der Bühne?

Roland Ruck: Inzwischen lassen wir oft die Amps zuhause und nehmen ein Yamaha Digitalmischer, weil er praktisch für In-Ear-Monitoring ist und man sich dank Speicherplätze voll auf die Musik konzentrieren kann. Für den Kontrabass ist In-Ear einfach genial, weil ich zum Monitoring den Bass über ein eingebautes Mikro hören kann, was mir ein sehr natürliches Spielgefühl gibt. Stefan hat ein großes Floorboard mit vielen tollen Effekten, die er auch sehr kreativ einsetzt. ...und wir sind immer glücklich, wenn alles funktioniert.

Einen Tipp für einen guten "Bass von der Stange" oder für ein Effektgerät?

Roland Ruck: In meinem Bassunterricht sehe ich viele preiswerte E-Bässe. Es gibt inzwischen viele tolle Instrumente unter 200 Euro - Cort, Fender, Jack & Danny um ein paar zu nennen. Die Yamaha BB Serie ist etwas höher angesiedelt und klingt aber überdurchschnittlich gut. Der Zoom B1 ist ein toller und preiswerter Bassmultieffekt für Einsteiger. ich hab ihn letztes Jahr einige Monate in der Jamie-Oliver-Dinnershow in Frankfurt gespielt, er klingt gut und dynamisch. Aber wie alle Bass-Effekte sollte man ihn lieber sparsam verwenden.

Wo kann man Corpus Deluxe demnächst live erleben?

Roland Ruck: Der nächste Gig kommt erst am 13. Juni 2010 auf dem Idstein-Jazz-Festival. Wir mussten lange pausieren, weil Caro im Dezember ihr erstes Kind bekommen hat. Dies hat mir aber genug Zeit gegeben, Songs zu schreiben und mich um die Webseiten zu kümmern. Gerade war sie zum ersten Mal wieder bei mir, um neue Songs einzusingen. Aber ab dem Sommer wird es wieder mehr Konzerte geben. Unser Debüt-Album wird dieses Jahr herauskommen. Es wird nur eigene Songs geben, in einer guten Mischung aus rockigen, souligen, aber auch jazzigen und melancholischen Nummern. Verfolgt unseren Blog auf MySpace, oder schaut regelmäßig auf unsere Webseiten.

Weitere Infos

Homepage: www.corpusdeluxe.com

MySpace-Fanseite www.myspace.com/corpusdeluxe

Bassunterricht von Roland Ruck: www.bassunterricht-wiesbaden.de

Stompshoe: www.stompshoe.de

Two For You: www.24u-music.de

Mein Kommentar

Bitte fülle die Felder, die mit einem * markiert sind

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.